Rössing ist ein Dorf in der Gemeinde Nordstemmen im niedersächsischen Landkreis Hildesheim. Mit etwa 1.650 Einwohnern ist es die zweitgrößte der zehn Ortschaften, die zur Gemeinde Nordstemmen gehören. Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück – bis in die Jungsteinzeit.
Lange bevor Rössing als Ort urkundlich erwähnt wurde, war die Gegend bereits besiedelt. In den 1980er Jahren wurde bei Ausgrabungen in einem Kiesabbaugebiet in Ortsnähe eine bandkeramische Siedlung freigelegt. Die Untersuchungen durch das Institut für Denkmalpflege Hannover (1981, 1984 und 1985) erstreckten sich über eine Fläche von 25.000 m².
Die Ausgrabungen brachten beeindruckende Erkenntnisse über das Leben der ersten Bauern in Mitteleuropa:
Die Siedlung lag strategisch günstig auf einer erhöhten, hochwasserfreien Stelle an der Niederterrasse der Leine – an der nördlichen Grenze der bandkeramischen Kultur in Niedersachsen.
Die erste urkundliche Erwähnung von Rössing erfolgte zwischen 822 und 877 als „Hrotthingun” oder „Rotthingun” in den Schenkungsregistern des Klosters Corvey. Im Jahr 2000 feierte der Ort das Jubiläum „1150 Jahre Rössing”.
Rössing ist nicht nur der Name des Ortes, sondern auch eines uradeligen Geschlechts aus dem südlichen Niedersachsen. Die Familie ging aus der Ministerialität des Hochstifts Hildesheim hervor und erscheint erstmals 1132 auf ihrem Stammsitz in Rössing.
Die Geschichte Rössings war geprägt von seiner Lage am westlichen Rand des Bistums Hildesheim. An der Grenze an der Leine saßen die welfischen Herzöge auf der Feste Calenberg und versuchten ständig, ihren Machtbereich nach Osten auszudehnen.
Nach der Zerschlagung des Großen Stifts fiel Rössing an Calenberg, wo es auch nach der Restitution 1643 verblieb.
Elisabeth von Calenberg, Witwe von Herzog Erich I. von Calenberg, führte während der Minderjährigkeit ihres Sohnes Erich II. im Jahr 1543 die Reformation in Rössing ein. Sie hatte bereits ab 1538 begonnen, den neuen Glauben in der Region einzuführen, und erließ 1542 eine Kirchenordnung.
Der erste lutherische Pastor, Tile Becker, wird in Visitationsberichten von 1543 erwähnt. Rössing wurde nie rekatholisiert – die Mitglieder der Familie von Rössing sind seit 1543 evangelisch.
Nachdem die Familie von Rössing nach den Zerstörungen ihren Hauptwohnsitz auf andere Besitzungen verlegt hatte, begann Ludolph von Rössing 1579 mit dem Bau des heutigen Wasserschlosses. Anlass war seine Heirat mit Anna von Stöckheim.
Das Schloss ist ein zweiflügeliger Fachwerkbau mit Stilmerkmalen der Weserrenaissance:
Das denkmalgeschützte Schloss wird bis heute von der Familie von Rössing bewohnt – seit fast 1000 Jahren am selben Ort ansässig.
Die evangelisch-lutherische Peter-und-Paul-Kirche hat eine lange Geschichte:
Der erste namentlich bekannte Geistliche der Gemeinde war Conradus de Rothinge, urkundlich erwähnt im Jahr 1260.
Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen am 1. März 1974 wurde die zuvor selbständige Gemeinde Rössing in die Gemeinde Nordstemmen eingegliedert.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte durch die Aufnahme vieler Heimatvertriebener eine Verdoppelung der Einwohnerzahl. Heute leben etwa 1.650 Menschen in Rössing.
Quellen: